Fachtagung zum Thema wohnungslose Frauen in Berlin fordert besseres Hilfsangebot

Berlin, 06.10.2010

Der größte Teil wohnungsloser Frauen in Berlin ist psychisch beeinträchtigt oder krank, bewegt sich oft fern vom sozialpsychiatrischen Versorgungssystem und benötig daher ein zielgruppenspezifisches Hilfsangebot. Das ist das Ergebnis der Fachtagung „Notausgang Straße – die Wunden wohnungsloser Frauen in Berlin“, die am 6. Oktober in der Hauptstadt zu Ende ging.

„Psychologische und psychiatrische Hilfsangebote müssen dort stattfinden, wo die Frauen sich aufhalten und wo wir sie erreichen können“ fordert Martina Krägeloh, Sozialpädagogin in der ganzjährig geöffneten Notübernachtung für Frauen in Berlin. Die notwendige Unterstützung für wohnungslose Frauen, deren Leben häufig von psychischer Erkrankung, Sucht oder massiver Gewalt geprägt sei, könne wegen der personellen Unterbesetzung mit pädagogischem Fachpersonal nur unzureichend gewährleistet werden. „Es gibt einfach im Moment nicht genug Plätze für Frauen, allein in unserer Notübernachtung ist die Nachfrage doppelt so hoch wie das Angebot“, so die Sozialpädagogin weiter. Es sei absehbar, dass die Nachfrage in den kommenden Wintermonaten „nochmals deutlich steigen wird“. Ein weiteres Problem: „Einige Zufluchtswohnungen für Frauen lehnen es generell ab, suchtmittelabhängige Frauen aufzunehmen“, kritisiert Elke Rasche vom Berliner „Frauenladen“ La Vida.

„Gerade im niedrigschwelligen Hilfesektor ist es enorm wichtig, verstärkt auf psychologisches Fachpersonal zu setzen, das natürlich auch finanziert werden muss“, unterstreicht Britta Köppen, Psychologin in der Berliner Einrichtung „Frauenbedacht“. Psychologisches Fachpersonal könne eine Schnittstelle zwischen der Wohnungslosenhilfe und dem sozialpsychiatrischen Bereich bilden und über Beratungspsychologie notwendige Leistungen im Bereich Prävention, Psychoedukation, Rückfallprophylaxe, Stabilisierung und Motivation abdecken.. Die reguläre Versorgung, zum Beispiel durch die Sozialpsychiatrischen Dienste, erreiche die wohnungslosen Frauen häufig gar nicht oder aber viel zu spät, weil sie für Teile des Hilfesystems „fast unsichtbar“ blieben. „Wohnungslose Frauen, bei denen sich Suchterkrankungen, Gewalterfahrungen und psychische Erkrankungen wie ein roter Faden durchs Leben ziehen, müssen endlich als eigenständige Zielgruppe psychologischer und sozialpädagogischer Arbeit anerkannt werden – sie brauchen besondere Hilfen“, so die Psychologin weiter. Eine engere Verzahnung psychologischer und pädagogischer frauenspezifischer Hilfsangebote trage wesentlich dazu bei, „das die Frauen wieder eine Lebensperspektive entwickeln und aus dem Teufelskreis von psychischer Erkrankung, Gewalt und Wohnungslosigkeit einen Ausweg finden können“.

Frauenbedacht, eine Einrichtung der gemeinnützigen GEBEWO –Soziale Dienste- gGmbH
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Ansprechpartnerin: Dipl. Psychologin Britta Köppen