Ein Zuhause auf Zeit: Notübernachtung für Frauen begrüßt 1.000ste Nutzerin

Berlin, 27.09.2010

Die ganzjährig geöffnete Notübernachtung für Frauen in Berlin hat die 1.000 Nutzerin aufgenommen. Die 44-Jährige Klara B. musste die eheliche Wohnung verlassen, weil das Zusammenleben mit ihrem alkoholkranken Mann für sie unerträglich geworden war. Geld zum Leben hat die Frau nicht zur Verfügung, weil ihr Mann alleine Zugang zum gemeinsamen Konto hat. Die Unterbringung in der Einrichtung ist für die Berlinerin kostenfrei. „Die Nachfrage nach diesem Schutzraum für Frauen ist riesig, wir müssen inzwischen ebenso viele Anfragen abweisen, wie wir Frauen aufnehmen“, sagt Martina Krägeloh, Sozialpädagogin in der Notübernachtung, die von der gemeinnützigen GEBEWO –Soziale Dienste- betrieben wird.

„Bei vielen unserer Besucherrinnen ziehen sich Gewalterfahrungen, Armut, Wohnungslosigkeit sowie psychische und körperliche Erkrankungen wie ein roter Faden durch das Leben“. Selbst wenn es die Frauen schaffen, ihr von Gewalt geprägtes Zuhause zu verlassen, dauere es oft Monate, bis sie sich an eine Beratungsstelle wenden. Das Berliner Hilfesystem sei immer noch vor allem an allein stehenden wohnungslosen Männern orientiert. „Frauen brauchen aber Hilfsangebote, die ihren Bedürfnissen nach Schutz und Intimität Rechnung tragen. Frauen benötigen Hilfe undWohnraum, der es ihnen gestattet, sich zurückziehen und zur Ruhe zu kommen“, so die Sozialpädagogin weiter.

In Gesprächen mit den beiden Sozialpädagoginnen der Einrichtung können die Frauen ihre Probleme in einer angstfreien Atmosphäre besprechen und neue Perspektiven entwickeln. „Wir helfen zum Beispiel dabei, sozialhilferechtliche Ansprüche zu klären, Dokumente zu beschaffen oder vermitteln die Frauen weiter in betreute Wohnprojekte, in medizinische und psychiatrische Hilfen“, sagt Krägeloh.

Die beiden Sozialpädagoginnen werden Klara B. in den nächsten Wochen dabei unterstützen, eine eigene Wohnung zu suchen sowie den Umzug und die finanzielle Absicherung ihres Lebens sicher zu stellen. Bis es soweit ist, hat die 44-Jährige Berlinerin in der Notübernachtung einen sicheren Ort zum Schlafen gefunden, wo sie frei von Gewalt und psychischem Druck durchatmen und ein neues Leben aufbauen kann.

Die ganzjährig geöffnete Notübernachtung für Frauen ist seit Dezember 2003 geöffnet. Trägerin der Einrichtung ist die gemeinnützige GEBEWO –Soziale Dienste- Berlin. Finanziert wird die Notübernachtung, in der es acht Übernachtungsplätze und zwei Notbetten gibt, über Zuwendungen des Berliner Senats.

Ansprechpartner

Notübernachtung für Frauen
Martina Krägeloh, Eva-Maria Heise
Tieckstraße 17
10115 Berlin-Mitte
Tel. 030 / 283 29 39
www.gebewo.de